„MINT ist zu faszinierend, als dass ich diese Faszination nicht weitergeben könnte.“ Das Zitat stammt von MINT-Botschafterin Tina Fuhrmann, Lehrkraft für besondere Aufgaben und Wissenschaftlerin an der Hochschule Merseburg. Sie erzählt uns im Interview mehr über ihre Motivation, sich ehrenamtlich für MINT einzubringen. Auch Sie können Teil des MINT-Botschafternetzwerks werden.

Warum engagieren Sie sich als MINT-Botschafterin und was treibt Sie persönlich an?

Ich finde Physik und Mathematik unglaublich faszinierend. Es ist wahnsinnig spannend, was wir alles um uns herum und in der Welt erklären können. Ich finde, das macht die Welt noch schöner und interessanter. Dazu ist es erstaunlich, wie viel wir in den letzten Jahrhunderten durch wissenschaftliches Vorgehen – Beobachten, Hypothesen aufstellen, Experimente durchführen und Schlussfolgerungen ziehen – herausfinden konnten und zum Guten einsetzen konnten.
Leider ist es so, dass selbst bei uns, in MINT-Studiengängen an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften, viele Studierende während ihrer Schulzeit schlechte Erfahrungen im MINT Unterricht gemacht haben und teilweise Angst vor Physik und Mathematik haben. Das möchte ich ändern. Ich möchte, dass unsere Studierenden Physik und Mathematik verstehen, anwenden und für sich nutzen können.

Wie schafft man es, mehr junge Menschen für mathematische – naturwissenschaftliche – technische Berufe zu begeistern?

Der Beitrag, den ich leisten kann, ist, Studierende ernst zu nehmen, ihnen respektvoll und wertschätzend zu begegnen und sie da abzuholen, wo sie stehen. Zum Beispiel sprechen Studierende in meinen Kursen sehr viel gemeinsam über Physik. Sie nutzen dann ihr eigenes Wissen, entwickeln Ideen, argumentieren und machen Fehler. Das ist für viele ungewohnt, denn sie haben verinnerlicht, es gäbe nur richtig und falsch und falsch sei schlecht. Die Begeisterung wächst, wenn sie merken, dass jede Idee gut ist und wenn sie nach und nach lernen, selbst wissenschaftliche Argumentationsketten aufbauen zu können. Es baut ihr Selbstwertgefühl und ihre Identität als IngenieurIn oder NaturwissenschaftlerIn ungemein aus, wenn sie merken, dass sie am Ende des Kurses wirklich etwas gelernt haben (gerade aus ihren Fehlern) und die Welt ein Stückchen besser verstehen.

Welche MINT-Fähigkeiten oder -Themen erscheinen Ihnen derzeit und in den nächsten Jahren gesellschaftlich besonders wichtig?

Zwei Aspekte finde ich besonders wichtig: ein tiefes Verständnis naturwissenschaftlicher Konzepte und die Fähigkeit, sich darüber auszutauschen.
Rechnen, programmieren, Texte schreiben, Grafiken erstellen … das können schon jetzt Maschinen für uns. Die Welt verstehen, innovative Lösungen hervorbringen, bewerten und umsetzen – das können letztlich nur wir selbst. Natürlich ist es wichtig, auch die anderen Dinge zu können, aber es reicht nicht aus. Immer mehr Menschen brauchen ein wirklich gutes Verständnis mathematischer und physikalischer Konzepte.
Teamwork ist dabei die Basis für neue Erkenntnisse und Innovationen. Sich über MINT-Themen auszutauschen, egal ob im Kollegium oder mit der Allgemeinheit, ist dafür die Grundlage. Und das ist wiederum nur möglich, wenn wir logisch richtig schlussfolgern und die Argumente anderer daraufhin überprüfen können.

Mein persönlicher Tipp für junge MINT-Talente

Geh deinen Weg! Es gibt immer Leute, die dagegen sind – aber es gibt auch immer Leute, die hinter dir stehen! Such dir diese Leute, lass dich unterstützen und geh den Weg, der sich für dich richtig anfühlt.

Mein persönlicher MINT-Aha-Moment

Das finde ich nach wie vor lustig und faszinierend: Jede Kugel – egal wie groß, egal wie schwer, egal welches Material – rollt einen Weg gleich schnell herunter.
(Für die besonders Interessierten: Die Dichte des Materials darf nicht zu klein sein, der Weg muss verhältnismäßig kurz sein und Luftreibung vernachlässigbar.)

Zur Person

Tina Fuhrmann lehrt und forscht an der Hochschule Merseburg. Dort setzt sie sich für die Umsetzung und Verbreitung aktivierender Lehrmethoden ein. Durch diese können Studierende ein tieferes Verständnis natur- und ingenieurwissenschaftlicher Konzepte erlangen und Lehre kann inklusiver gestaltet werden. Frau Fuhrmann wurde mehrfach für ihre Lehre, Forschung und Bemühungen zur Gleichstellung von Studierenden ausgezeichnet.

mehr zu Tina Fuhrmann: www.hs-merseburg.de/tinafuhrmann
Ein Interview mit Tina Fuhrmann rund um das Lehren finden Sie beim Lehren-Netzwerk e.V.: https://lehrehochn-netzwerk.de/koepfe/fuhrmann-tina/
und auf dem YouTube-Kanal „The Bright Side of Physics“ Lehr- und Erklärvideos:
https://www.youtube.com/@thebrightsideofphysics4465


Liebe Tina Fuhrmann, danke für das schöne Gespräch.


Gruppe von Menschen, die sich bei einem MINT-Botschafter-Event versammelt haben, während sie in die Kamera winken und lächeln. Neben ihnen steht ein Banner mit der Aufforderung, MINT-Botschafter*in zu werden.

Gehören Sie zu den Menschen, die Erfahrungen in MINT gemacht haben oder aktuell spannende Fragestellungen bearbeiten? Sind Sie bereit, diese Erfahrungen jungen Menschen zur Verfügung zu stellen, sie mit Ihren Entwicklungen zu begeistern? Werden Sie Teil des MINT-Botschafternetzwerks, helfen Sie jungen Menschen, sich für MINT zu entscheiden, als MINT-Botschafter*in. Hier können Sie sich registrieren.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.