Nadine Klein engagiert sich als MINT-Botschafterin für „MINT Zukunft schaffen!“ und unterstützt uns außerdem als Jury-Mitglied beim Bewertungsprozess für die beiden Signets „MINT-freundliche Schule“ und „Digitale Schule“. Nadine ist Verkehrswesen-Ingenieurin mit dem Schwerpunkt Luftverkehr und Bahnbetrieb und an der Technischen Universität Berlin in der Leitung des Nachwuchslabores INGenius der Fakultät V – Verkehrs- und Maschinensysteme tätig. Sie erzählt uns im Interview mehr über die Motivation, sich ehrenamtlich bei uns einzubringen. Engagieren Sie sich auch für mehr MINT in Deutschland? Machen Sie mit und werden Sie Teil des MINT-Botschafternetzwerks als MINT-Botschafter*in.

Nadine, warum engagieren Sie sich als Jurymitglied?

MINT hat die Gesellschaften weltweit unfassbar weit gebracht. Aber das passiert nicht von allein. Es braucht viele Menschen, die MINT praktizieren und auch darüber sprechen. Vor allem: auch andere auf MINT ansprechen und für MINT gewinnen. Als Jurymitglied erhalte ich obenauf einen unverzichtbaren Einblick in den Status-Quo unseres Bildungssystems. Stärken und Schwächen werden dabei sichtbar, aber auch der Puls der Zeit ist stellenweise ablesbar. Das bereichert auch meine eigene inhaltliche Arbeit, da ich entsprechend das Angebot anpassen kann, um die Schnittstelle zwischen schulischer- und außerschulischer Arbeit bedarfsgerechter zu gestalten, aber auch die Angebote für Schüler:innen in der Freizeit zu verbessern und mögliche „Lücken“ zu füllen.

Warum ist es Ihrer Meinung nach so wichtig, dass sich die Schulen auf die Signets „Digitale Schule“ und/oder „MINT-freundliche Schule“ bewerben? 

MINT hat in Deutschland nach wie vor ein veraltetes, klischeehaftes und stiefmütterliches Image, insbesondere die Ingenieurwissenschaften, die in MINT nur als „T für Technik“ auftauchen. MINT-Bereiche und -Berufe sorgen aber für die Entstehung der meisten Arbeitsplätze und des größten Wirtschaftswachstums sowie -potentials. Deshalb ist es elementar, dass Schulen stärker für MINT werben und auch ihre eigenen Stärken in diesem Bereich sichtbar nach vorne bringen. Ich selbst habe damals eine Oberschule ausgewählt, die auf ihrem einseitigen Flyer für ihre MINT-AGs geworben hat. Andere Schulen hatten das nicht. Das gehörte damals zu den drei ausschlaggegebenen Kriterien, warum ich meine Schule ausgewählt habe. Insbesondere das Signet „MINT-Freundliche Schule“ ist ein wichtiges Signal für viele Eltern, denn diese wählen oft noch die Schulen ihrer Kinder aus.

Wie schafft man es, mehr junge Menschen für mathematische – naturwissenschaftliche – technische Berufe zu begeistern?

Die Ansätze sind vielfach vorhanden und es kommt häufig auf die Rahmenbedingungen an. Allgemein ist aber das Image von MINT in Deutschland nicht gut genug. In anderen Nationen, wie China z. B., gibt es einen wahnsinnigen Hype um gewisse ingenieurswissenschaftliche Bereiche. Da werden Arenen mit Menschen gefüllt, die junge MINTler in Robotik-Wettbewerben abfeiern und das sau-cool finden. Veraltete Vorstellungen von MINT-Berufen als auch die Klischees von weißen, alten Lehrern, die trockenen, verstaubten MINT-Unterricht durchführen, der die Kids uninteressiert lässt sind ebenfalls kontraproduktiv.
Deshalb müssen wir so früh wie möglich forschendes MINT-Lehren und -lernen mit Kindern und Jugendlichen ermöglichen. Dabei ist insbesondere ein klischee- und stereotypfreier Lehrstil entscheidend und auch die Eltern müssen stärker für die Wichtigkeit von MINT sowie das Potential ihrer Kinder in diesem Bereich sensibilisiert werden. Kinder und Jugendliche müssen außerdem viel mehr Berufe und -felder kennen lernen. Viele wählen später einen Beruf, den sie einfach schon früh kennen gelernt haben. Die gigantische Vielfalt an Berufsmöglichkeiten ist den allerwenigsten bewusst. Außerdem müssen wir dahin kommen, dass Kinder früher und deutlich besser darauf geschult werden zu erkennen, worin ihre Talente, Begabungen und potenziellen Stärken liegen. Dadurch wird die Wahl für den Beruf und dessen -Orientierung erleichtert.

Was sind die Schwerpunkte Ihres persönlichen MINT-Engagements?

Zum einen leite ich das Nachwuchslabor INGenius an der Fakultät V – Verkehrs- und Maschinensysteme – an der TU Berlin, welches einen ingenieurwissenschaftlichen Schwerpunkt hat (ich habe selbst an der Fakultät V Verkehrswesen studiert und bin Ingenieurin). Dort entwickle und führe ich kostenlose MINT-Workshops für Kinder und Jugendliche durch, wobei 70% des Gesamt-Kontingents extra für Mädchen und junge Frauen vorgesehen ist. Seit Mai 2024 ist INGenius auch Teil des MINT-Clusters MINT-Heldinnen, zusammen mit dem Werner-von-Siemens Centre for Industry and Science und Berlin Realities. Das Cluster versucht Kindern und Jugendlichen zu zeigen, warum MINT Held*innen hervorbringt, die die Gesellschaft retten, bereichern und verändern. Auch hier versuchen wir insbesondere auch Mädchen und junge Frauen zu begeistern, da diese auch heute noch oft stereotyp und klischeehaft in Deutschland aufwachsen und MINT nicht als berufliche Perspektive wahrnehmen.

Außerdem bin ich seit acht Jahren nebenberufliche Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte an unserer Fakultät und beteilige mich in diesem Zuge in diversen AGs und Gremien daran, die Einstiegs- und Bleibeperspektiven für junge Menschen in MINT, insbesondere für Frauen und Studierende mit Familie, zu verbessern.

Liebe Nadine, danke für das schöne Gespräch.

Engagieren Sie sich bereits für mehr MINT in Deutschland?

Gehören Sie zu den Menschen, die Erfahrungen in MINT gemacht haben oder aktuell spannende Fragestellungen bearbeiten? Sind Sie bereit, diese Erfahrungen jungen Menschen zur Verfügung zu stellen, sie mit Ihren Entwicklungen zu begeistern? Werden Sie Teil des MINT-Botschafternetzwerks, helfen Sie jungen Menschen, sich für MINT zu entscheiden, als MINT-Botschafter*in.

Als Botschafter oder Botschafterin werben Sie durch ihre Aktivitäten authentisch für die MINT-Themen und engagieren sich für MINT-Bildung. Unternehmen können selbst Botschafter*innen bereitstellen oder sich im Rahmen von Workshops, Praktika, „Tag der offenen Tür“, Angebote zu Diskussionsabenden in Schulen u. v. m. engagieren. Mehr zu unserem MINT-Botschafternetzwerk finden Sie hier.

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