Waltraud Hermann engagiert sich als MINT-Botschafterin für „MINT Zukunft schaffen!“ und unterstützt uns außerdem als Jury-Mitglied beim Bewertungsprozess für die beiden Signets „MINT-freundliche Schule“ und „Digitale Schule“. Waltraud ist Senior Organisationsentwicklerin bei Bosch und selbstständige Autorin, Top 100 Trainerin und Rednerin und erzählt uns im Interview mehr über die Motivation, sich ehrenamtlich bei uns einzubringen. Engagieren Sie sich auch für mehr MINT in Deutschland? Machen Sie mit und werden Sie Teil des MINT-Botschafternetzwerks als MINT-Botschafter*in.

Waltraud, warum engagieren Sie sich als MINT-Botschafterin?

Ich engagiere mich als MINT-Botschafterin, weil für mich unsere Bildungspläne in Deutschland nicht den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht werden. Dadurch sind unsere Kinder auf der globalen Bühne benachteiligt. Wir alle haben eine Verantwortung für die beste Zukunft unserer Kinder und Jugendlichen zu sorgen.

Wie schafft man es, mehr junge Menschen für mathematische – naturwissenschaftliche – technische Berufe zu begeistern?

Um mehr junge Menschen für diese Berufe zu begeistern, muss das Lernen so gestaltet sein, dass alle Kinder die Möglichkeit haben, die Inhalte zu verstehen und sich dafür zu begeistern. Dies erfordert ausreichend Zeit im Lehrplan und zunächst eine Phase des spielerischen Heranführens und Begreifens der Inhalte. MINT Fächer müssen Hauptfächer und nicht Wahlfächer sein.

Dazu gebe ich zwei Beispiele: in Rumänien wurde Physik von der 6. bis zur 8. Klasse auf spielerische und experimentelle Weise gelehrt. Es gab je zwei Wochenstunden Mechanik in der 6. Klasse, Wärmelehre in der 7. Klasse und Elektrizität in der 8. Klasse. In der 9. Und 10. Klasse gab es eine Phase der Präzision und des vertieften Lernens, 4 stündig, einschließlich der Gesetze, beginnend erneut mit Mechanik, Wärmelehre und Elektrizität. Dies sind insgesamt 14 Wochenstunden à 50 Minuten, also 700 Minuten. In Deutschland wird der gleiche Stoff in je 2 Wochenstunden à 45 Minuten von der 7. bis zur 10. Klasse vermittelt, also 360 Minuten, nur etwa die Hälfte. Das bedeutet, dass in Rumänien jeder Physik verstehen und sich dafür begeistern kann, während dies in Deutschland aufgrund der geringeren Unterrichtsstunden leider nur wenigen gelingt.

Deutschland ist in Bezug auf Informatik besonders schlecht aufgestellt und quasi Schlusslicht. Ich habe bereits in den 70er Jahren ein Informatik-Gymnasium in Kronstadt, Rumänien, besucht. Wir hatten damals jeweils 10 Wochenstunden Informatik, und das vier Jahre lang. Heute, 50 Jahre später, haben wir in Deutschland etwa 2-6 Wochenstunden über die gesamte Schulzeit summiert, und nur 2% der Schüler wählen Informatik als Wahlfach in der Oberstufe. Andere Länder haben Informatik längst als vierstündiges Pflichtfach in der Oberstufe für alle eingeführt.

Diese Defizite werden in die Unternehmen hineingetragen, weshalb die Mitarbeitende in Deutschland langsamer und damit unsere Produkte teurer sind. Zum Glück gibt es viele MINT Initiativen, sonst wäre es noch viel schlimmer für die deutsche Wirtschaft bestellt.

Was sind die Schwerpunkte Ihres persönlichen MINT-Engagements?

Als Autorin meines aktuellen Buches zum Thema Digitale Bildung (erscheint im Herbst 2024), habe ich national und international viel recherchiert und meine Impulse für die digitale Aufholjagd zusammengefasst. Als  Top100 Trainerin und Speakerin von Speakers Excellence trage ich meine Botschaft in die Welt. Im Rahmen der Wissensfabrik begleite ich von Bosch Seite aus viele Bildungspartnerschaften und trage damit zur Schließung eben dieser bereits verheerenden MINT Lücke bei. Zu meinem Favoriten zählt eben die Digitale Bildung.

Danke für das interessante Gespräch, liebe Waltraud.

Gehören Sie zu den Menschen, die Erfahrungen in MINT gemacht haben oder aktuell spannende Fragestellungen bearbeiten? Sind Sie bereit, diese Erfahrungen jungen Menschen zur Verfügung zu stellen, sie mit Ihren Entwicklungen zu begeistern? Werden Sie Teil des MINT-Botschafternetzwerks, helfen Sie jungen Menschen, sich für MINT zu entscheiden, als MINT-Botschafter*in.

Als Botschafter oder Botschafterin werben Sie durch ihre Aktivitäten authentisch für die MINT-Themen und engagieren sich für MINT-Bildung. Unternehmen können selbst Botschafter*innen bereitstellen oder sich im Rahmen von Workshops, Praktika, „Tag der offenen Tür“, Angebote zu Diskussionsabenden in Schulen u. v. m. engagieren. Mehr zu unserem MINT-Botschafternetzwerk finden Sie hier.

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