Aileen Fahrländer engagiert sich als MINT-Botschafterin für „MINT Zukunft schaffen!“ und unterstützt uns außerdem als Jury-Mitglied beim Bewertungsprozess für die beiden Signets „MINT-freundliche Schule“ und „Digitale Schule“. Aileen ist Mathematikdidaktikerin und beim International Centre for STEM Education an der Pädagogischen Hochschule Freiburg als Programme Specialist für die Didaktik der Mathematik und Naturwissenschaften tätig. Im Interview erzählt sie uns mehr über die Motivation, sich ehrenamtlich bei uns einzubringen. Engagieren Sie sich auch für mehr MINT in Deutschland? Machen Sie mit und werden Sie Teil des MINT-Botschafternetzwerks als MINT-Botschafter*in.
Warum engagieren Sie sich als Jurymitglied?
Ich engagiere mich als Jurymitglied, weil ich fest davon überzeugt bin, dass die Förderung von MINT-Fächern eine entscheidende Rolle für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft spielt. Durch mein Jury-Tätigkeit möchte ich dazu beitragen, Schulen sichtbar zu machen, die sich besonders engagieren und als Positivbeispiele für andere fungieren können. Es ist wichtig, diese Schulen zu unterstützen und ihre innovativen Ansätze und Projekte zu würdigen. Die Auszeichnung solcher Schulen hilft, Best Practices zu verbreiten und motiviert weitere Schulen, sich ebenfalls intensiv im Bereich MINT zu engagieren. Es macht Spaß, einen Einblick in die kreativen und vielversprechenden Projekte der Schüler*innen und Lehrkräfte zu bekommen!
Warum ist es Ihrer Meinung nach so wichtig, dass sich die Schulen auf die Signets „Digitale Schule“ und/oder „MINT-freundliche Schule“ bewerben?
Die Bewerbung um die Signets ist besonders wichtig, weil sie zeigt, dass die Schulen die gesellschaftlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts im Blick haben und ihre Schüler*innen darauf vorbereiten. Unsere Gesellschaft und die Welt, in der wir leben, wird immer komplexer und technisierter, sodass Medienbildung und digitales Lernen im Bildungsbereich unerlässlich geworden sind. Es gibt immer mehr hochspezialisierte Berufsbilder, für die die sogenannten 21st century skills wie digitale Affinität, vernetztes Denken und Problemlösefähigkeit eine zentrale Rolle spielen – alles Themen der MINT-Fächer! Wenn wir uns aktuelle gesamtgesellschaftliche Themen und Probleme wie den Klimawandel anschauen, geht es nicht ohne interdisziplinäres Denken und Arbeiten. Ziel der Schulen muss es sein, genau hier anzusetzen, um Schüler*innen auf neue Herausforderungen in der Berufs- und Lebenswelt vorzubereiten. Durch die Bewerbung um diese Signets setzen Schulen ein starkes Signal, dass sie sich aktiv um eine moderne und zukunftsorientierte Bildung bemühen. Diese Signets dienen zudem als Anerkennung und Motivation für Lehrer*innen und Schüler*innen, sich weiter in diesen Bereichen zu engagieren, und fördern den Austausch bewährter Praktiken und innovativer Ansätze zwischen Schulen, was insgesamt zu einer Verbesserung der Bildungslandschaft führt.
Wie schafft man es, mehr junge Menschen für mathematische – naturwissenschaftliche – technische Berufe zu begeistern?
Wir müssen so früh wie möglich ansetzen und Interesse wecken sowie die Kinder und Jugendlichen in ihren Bedürfnissen und Sichtweisen mit einbeziehen und selbst tätig werden lassen. Dies gelingt vor allem durch praxisnahe Projekte, die den realen Bezug zu MINT-Themen herstellen und den Schüler*innen zeigen, wie vielfältig und spannend MINT-Berufe sein können. Durch die Kontextualisierung der Lerninhalte, also deren Einbettung in realistische Alltags- und Berufsbezüge, wird der praktische Nutzen und die Relevanz der MINT-Fächer deutlich. Forschendes Lernen, bei dem Schüler*innen eigenständig Fragen entwickeln und durch Experimente und Untersuchungen Antworten finden, fördert zudem die Neugier und das Verständnis für wissenschaftliche Methoden. Da gehört auch Fehler machen zu dürfen mit dazu! Vorbilder und Mentor*innen spielen (vor allem für Mädchen*) ebenfalls eine wichtige Rolle, indem sie den Schüler*innen authentische Einblicke in ihre beruflichen Werdegänge geben und sie motivieren, ähnliche Wege zu gehen. Darüber hinaus ist es wichtig, die MINT-Fächer nicht isoliert, sondern interdisziplinär und im Kontext gesellschaftlicher Herausforderungen zu betrachten.
Was sind die Schwerpunkte Ihres persönlichen MINT-Engagements?
Zu meinen Forschungsinteressen gehört vor allem die Förderung einer gendersensiblen und genderreflektierender MINT-Bildung sowie Diversität im MINT-Bereich. Ich setze mich dafür ein, dass alle Schüler*innen, unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Hintergrund, gleiche Chancen und Zugänge zu MINT-Bildung haben. Die Sensibilisierung für geschlechtsspezifische Stereotype und internalisierte Erwartungen und Zuschreibungen hinsichtlich dessen, was wir als „weiblich“ und „männlich“ empfinden, spielt dabei eine große Rolle. Es macht einen Unterschied, ob wir Mathematikunterricht divers und diskriminierungssensibel gestalten und dabei auf Repräsentation achten oder immer nur von männlichen Mathematikern hören und lesen! Sprache schafft Wirklichkeit.
Ein weiterer Schwerpunkt meiner Arbeit ist der Einsatz von 3D-Drucktechnologien im Unterricht. Der 3D-Druck bietet vielfältige Möglichkeiten, um abstrakte Konzepte der Mathematik, Naturwissenschaften und Technik erlebbar und (be)greifbar zu machen. Ich entwickle dafür didaktische Konzepte, aber auch praktische Workshops für Schüler*innen sowie Fortbildungen für Lehrkräfte, die 3D-Druck in ihrem Unterricht einsetzen wollen.
Des Weiteren befasse ich mich mit der Beforschung der mathematischen Selbstwirksamkeitserwartungen, insbesondere von Mädchen*. Es ist wichtig, das Selbstvertrauen und die Überzeugung der Schüler*innen zu stärken, dass sie mathematische Probleme bewältigen können. Die Förderung eines positiven Mathematik-Selbstkonzepts ist da ein zentrales Thema. Es wäre so schön, von keinem Kind mehr zu hören „Ich kann doch kein Mathe!“. Vor allem, von keinem Mädchen* mehr.
Liebe Aileen Fahrländer, danke für das schöne Gespräch.

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Als Botschafter oder Botschafterin werben Sie durch ihre Aktivitäten authentisch für die MINT-Themen und engagieren sich für MINT-Bildung. Unternehmen können selbst Botschafter*innen bereitstellen oder sich im Rahmen von Workshops, Praktika, „Tag der offenen Tür“, Angebote zu Diskussionsabenden in Schulen u. v. m. engagieren. Mehr zu unserem MINT-Botschafternetzwerk finden Sie hier.
