„Ich hatte das große Glück, in meinem Beruf als Ingenieur unheimlich viele faszinierende Dinge auf der ganzen Welt erleben zu dürfen: von Supercomputern über große Industrieanlagen bis hin zum Test und Start von Raketentriebwerken. Diese Erfahrungen haben mir gezeigt, wie vielfältig, spannend und beeindruckend Technik sein kann. Genau diese Begeisterung sollten wir an die heutige Generation weitergeben.“ Das Zitat stammt von MINT-Botschafter Prof. Dr.-Ing. Frank Ulrich Rückert, Professor für Fluidenergiemachinen an der htw saar (Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes). Er erzählt uns im Interview mehr über seine Motivation, sich ehrenamtlich für MINT einzubringen. Auch Sie können Teil des MINT-Botschafternetzwerks werden.

Warum engagieren Sie sich als MINT-Botschafter?

Ich selbst hatte durch mein Alter und meine Generation (X) die besondere Gelegenheit, die Entwicklung von Videospielen, Heimcomputern und Computergrafik sowie die Einführung von Internet, sozialen Medien und schließlich der Künstlichen Intelligenz hautnah mitzuerleben. Die Technik und die vielfältigen Möglichkeiten ihrer Nutzung haben mich dabei stets fasziniert.

Schade ist, dass für die heutige Generation vieles bereits vorgefertigt ist und nicht mehr selbst entdeckt und erobert werden muss. Es hat mir immer große Freude bereitet zu erleben, wie Mathematik, Technik und Informatik ineinandergreifen und gemeinsam beeindruckende Entwicklungen hervorbringen. Von dieser Begeisterung würde ich gerne etwas an die heutige Generation weitergeben.

Wie schafft man es, mehr junge Menschen für mathematische – naturwissenschaftliche – technische Berufe zu begeistern?

Ich denke, es ist wichtig, jungen Menschen zu zeigen, was man mit Mathematik, Technik und Informatik alles machen kann. Mathematik kann zwar schon für sich genommen faszinierend sein, doch der Zugang dazu fällt vielen schwer und die Schulen wissen oft auch nicht genau, wofür man die einzelnen Fächer braucht. Schule und Studium sind aber nur das Vorgeplänkel. Die wirklich spannende Zeit beginnt danach. Ich habe in meinen unterschiedlichen Positionen immer alle Grundlagen gebraucht und erst spät verstanden, wie alle Fächer ineinandergreifen. Erst dann eröffnet sich die Möglichkeit, das Gelernte in der Praxis anzuwenden, an innovativen Projekten mitzuwirken und die Welt aktiv mitzugestalten. Dann geht es erst richtig los.

Oft ist es einfacher, wenn man Jugendlichen konkrete Anwendungsbeispiele zeigt und verdeutlicht, wie verschiedene Themen miteinander zusammenhängen.

Vektorrechnung oder Koordinatensysteme wirken zunächst eher trocken. Wenn man jedoch den Bezug zur Praxis herstellt und erklärt, dass ein 3D-Modell einer Warhammer-Figur für den 3D-Drucker letztlich nichts anderes als eine Sammlung von Punkten und Flächen in einem dreidimensionalen Koordinatensystem ist, entsteht möglicherweise die Motivation, sich näher mit diesen Themen zu beschäftigen.

Auch Videospiele basieren im Kern auf Mathematik. Bewegungen, Kollisionen, Beleuchtung, Physiksimulationen oder künstliche Intelligenz werden durch mathematische Modelle beschrieben. Interessanterweise haben viele Aufgaben, die Ingenieure heute in ihrem Berufsalltag lösen müssen, erstaunlich viele Gemeinsamkeiten mit der Entwicklung von Videospielen. In beiden Bereichen geht es darum, komplexe Systeme zu modellieren, zu simulieren und mit moderner Software zu analysieren. Genau diese Verbindung zwischen Theorie und praktischer Anwendung kann junge Menschen begeistern und ihnen den Wert mathematischer und technischer Kenntnisse näherbringen.

Was sind die Schwerpunkte Ihres persönlichen MINT-Engagements?

Als Ingenieur und Dozent an der ASW in Neunkirchen sowie an der htw saar habe ich täglich mit jungen Menschen zu tun, die zwar keine Schüler mehr sind, sich aber noch in einer wichtigen Phase ihrer Ausbildung befinden. Deshalb versuche ich, aktuelle Themen wie Künstliche Intelligenz, Simulation oder Virtual Reality in meine Lehrveranstaltungen zu integrieren und den Studierenden praxisnah zu vermitteln.

Über den Verein Deutscher Ingenieure (VDI) besuchen wir zudem Schulen im Saarland und stellen dort unsere Arbeit vor. Unser Ziel ist es, jungen Menschen zu zeigen, wie spannend und vielfältig technische und naturwissenschaftliche Berufe sein können.

Im Rahmen des Verbundprojekts DimensionLab3 haben wir naturwissenschaftliche und ingenieurwissenschaftliche Inhalte mithilfe von Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) dreidimensional für Schülerinnen und Schüler aufbereitet. Dadurch konnten sie im Unterricht virtuelle Exkursionen unternehmen und technische Anlagen auf eine Weise erleben, die mit klassischen Lehrmethoden kaum möglich wäre. So konnten sie beispielsweise ein Windrad nicht nur von außen betrachten, sondern auch dessen Inneres erkunden und virtuell bis zur Gondel hinaufsteigen.

Solche Projekte zeigen, dass moderne Technologien weit mehr sein können als bloße Unterhaltung. Richtig eingesetzt ermöglichen sie neue Formen des Lernens, wecken Neugier und helfen dabei, technische Zusammenhänge anschaulich und verständlich zu vermitteln.

Lieber Frank Ulrich Rückert, danke für das schöne Gespräch.


Gruppe von Menschen, die sich bei einem MINT-Botschafter-Event versammelt haben, während sie in die Kamera winken und lächeln. Neben ihnen steht ein Banner mit der Aufforderung, MINT-Botschafter*in zu werden.

Gehören Sie zu den Menschen, die Erfahrungen in MINT gemacht haben oder aktuell spannende Fragestellungen bearbeiten? Sind Sie bereit, diese Erfahrungen jungen Menschen zur Verfügung zu stellen, sie mit Ihren Entwicklungen zu begeistern? Werden Sie Teil des MINT-Botschafternetzwerks, helfen Sie jungen Menschen, sich für MINT zu entscheiden, als MINT-Botschafter*in.

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