„Technik begeistert mich seit meinem Studium – diese Begeisterung weiterzugeben und jungen Menschen neue Perspektiven zu eröffnen, ist meine Motivation.“ Das Zitat stammt von MINT-Botschafterin Prof. Dr.-Ing. Katrin Temmen ist Professorin für Technikdidaktik an der Universität Paderborn. Sie erzählt uns im Interview mehr über ihre Motivation, sich ehrenamtlich für MINT einzubringen. Auch Sie können Teil des MINT-Botschafternetzwerks werden.
Warum engagieren Sie sich als MINT-Botschafterin?
Meine Begeisterung für Technik begleitet mich schon mein ganzes Berufsleben. Ich habe Elektrotechnik studiert und im Bereich der Hochspannungstechnik promoviert. Schon früh habe ich erlebt, wie faszinierend es ist, technische Zusammenhänge zu verstehen, eigene Lösungen zu entwickeln und mit Technik etwas zu bewegen.
Bereits in den 1990er-Jahren habe ich Workshops und Probevorlesungen speziell für Schülerinnen angeboten, um sie für die Elektrotechnik und insbesondere die Hochspannungstechnik zu begeistern. Später habe ich über mehrere Jahre Forscher-AGs in Kindergärten und Grundschulen angeboten. Dabei habe ich erlebt, mit welcher Neugier und Begeisterung schon die Jüngsten naturwissenschaftlichen und technischen Phänomenen auf den Grund gehen. Diese natürliche Entdeckerfreude zu erhalten und weiterzuentwickeln, ist für mich eine der wichtigsten Aufgaben der MINT-Bildung.
Heute engagiere ich mich als Professorin für Technikdidaktik dafür, möglichst vielen jungen Menschen solche Erfahrungen zu ermöglichen. Denn MINT-Bildung ist für mich weit mehr als Nachwuchsförderung: Sie befähigt dazu, unsere zunehmend technisierte Welt zu verstehen, kritisch zu hinterfragen und aktiv mitzugestalten. Als MINT-Botschafterin möchte ich diese Überzeugung weitertragen und dazu beitragen, Begeisterung für MINT zu wecken, Selbstvertrauen zu stärken und neue Perspektiven zu eröffnen..
Wie schafft man es, mehr junge Menschen für mathematische – naturwissenschaftliche – technische Berufe zu begeistern?
Indem wir ihnen nicht nur erklären, wie spannend MINT ist, sondern sie es selbst erleben lassen! Junge Menschen wollen entdecken, ausprobieren, eigene Ideen entwickeln und etwas bewirken. Deshalb brauchen wir Lernangebote, die an ihre Lebenswelt anknüpfen, Raum für Kreativität geben und zeigen, wie sie mit technischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen die Zukunft gestalten können.
In meiner langjährigen Arbeit mit Schülerinnen und Schülern habe ich immer wieder erlebt, wie aus anfänglicher Zurückhaltung echte Begeisterung wird, wenn sie selbst experimentieren, technische Probleme lösen und feststellen: „Das kann ich ja!“
Besonders wichtig ist mir dabei ein Perspektivwechsel: Wir sollten nicht zuerst fragen, was junge Menschen bereits können oder mitbringen müssen, um sich für Technik zu interessieren. Vielmehr müssen wir Lernumgebungen schaffen, in denen sie ihre Fähigkeiten entdecken und weiterentwickeln können. Das gilt insbesondere für Mädchen und junge Frauen, deren Interesse an technischen Berufen noch immer zu häufig durch stereotype Vorstellungen beeinflusst wird.
Eine Schlüsselrolle spielen dabei die Lehrkräfte. Sie können Begeisterung für Technik wecken, Neugier fördern und jungen Menschen Mut machen, sich mit technischen Fragestellungen auseinanderzusetzen. Deshalb ist mir die Ausbildung zukünftiger Techniklehrkräfte ein besonderes Anliegen. Gute MINT-Bildung braucht Lehrkräfte, die selbst von Technik begeistert sind und wissen, wie sie diese Begeisterung an junge Menschen weitergeben können.
Was sind die Schwerpunkte Ihres persönlichen MINT-Engagements?
Mein MINT-Engagement verbindet die praktische Nachwuchsförderung mit der Ausbildung zukünftiger Lehrkräfte und der technikdidaktischen Forschung.
Ein besonderer Schwerpunkt ist die Gestaltung praxisnaher und motivierender Lernangebote für Schülerinnen und Schüler. Seit 2011 habe ich die wissenschaftliche Leitung des Schülerlabors und des Schülerforschungszentrums coolMINT inne, einer Kooperation der Universität Paderborn mit dem Heinz Nixdorf MuseumsForum. Hier können Kinder und Jugendliche technische und naturwissenschaftliche Phänomene selbst erkunden, experimentieren und eigene Lösungen entwickeln.
Die Förderung von Mädchen und jungen Frauen liegt mir dabei besonders am Herzen – und das bereits seit meinen ersten Workshops in der Hochspannungstechnik in den 1990er-Jahren. Seit 2015 bin ich Vorsitzende der Steuerungsgruppe des Programms empowerMINT (früher „Frauen gestalten die Informationsgesellschaft“) an der Universität Paderborn. Mit vielfältigen Angeboten möchten wir junge Frauen ermutigen, ihre technischen Fähigkeiten zu entdecken und sich ein Studium oder einen Beruf im MINT-Bereich zuzutrauen.
Ein weiterer zentraler Schwerpunkt meiner Arbeit ist die Ausbildung zukünftiger Lehrkräfte. An der Universität Paderborn bilden wir Lehrkräfte für die beruflichen Fachrichtungen Elektrotechnik und Maschinenbautechnik an Berufskollegs sowie für das Unterrichtsfach Technik an allgemeinbildenden Schulen aus. Mir ist wichtig, dass unsere Studierenden nicht nur fundiertes technisches Fachwissen erwerben, sondern auch lernen, technische Inhalte lebensnah, verständlich und begeisternd zu vermitteln. Denn mit jeder gut ausgebildeten Lehrkraft erreichen wir über viele Jahre hinweg zahlreiche junge Menschen.
Seit 2023 bin ich zudem Studiendekanin der Fakultät Elektrotechnik, Informatik und Mathematik an der Universität Paderborn. In dieser Funktion setze ich mich dafür ein, unsere Studiengänge kontinuierlich weiterzuentwickeln, attraktive Studienbedingungen zu schaffen und mehr junge Menschen für ein Studium in den MINT-Fächern zu gewinnen. Besonders wichtig ist mir dabei, Studieninteressierten die vielfältigen Möglichkeiten und gesellschaftlichen Gestaltungschancen eines technischen Studiums aufzuzeigen. Auch über die Universität Paderborn hinaus engagiere ich mich für die Weiterentwicklung der ingenieurwissenschaftlichen Hochschulbildung: Aktuell bin ich stellvertretende Vorsitzende des Fakultätentags Elektrotechnik und Informationstechnik (FTEI) und werde 2027 dessen Vorsitz übernehmen.
Darüber hinaus engagiere ich mich für die Vernetzung von Schulen, Hochschulen, Unternehmen und außerschulischen Lernorten. Mein Ziel ist es, Erkenntnisse aus der technikdidaktischen Forschung in die Bildungspraxis zu bringen und gemeinsam Lernangebote zu entwickeln, die möglichst vielen jungen Menschen einen Zugang zur faszinierenden Welt der Technik eröffnen.
Zur Person
Prof. Dr.-Ing. Katrin Temmen ist Professorin für Technikdidaktik an der Universität Paderborn. Nach ihrem Elektrotechnikstudium und ihrer Promotion im Bereich der Hochspannungstechnik engagiert sie sich seit den 1990er-Jahren für die Förderung des technischen Nachwuchses, insbesondere von Mädchen und jungen Frauen. Seit 2011 leitet sie wissenschaftlich das Schülerlabor coolMINT und ist seit 2015 Vorsitzende der Steuerungsgruppe von empowerMINT. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Ausbildung zukünftiger Techniklehrkräfte für allgemeinbildende Schulen und Berufskollegs.
Liebe Katrin Temmen, danke für das schöne Gespräch.

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