MINT bestimmt mittlerweile einen großen Teil unseres Lebens und ist einfach zu wichtig und zu spannend, als dass man nicht daran teilhaben sollte.“ Das Zitat stammt vom MINT-Botschafter Jan Martin, MINT-Beauftragter, IHK-Prüfer, Lehrkraft für Elektrotechnik und Informationstechnik am OSZ IMT – Oberstufenzentrum Informations- und Medizintechnik Berlin. Er erzählt uns im Interview mehr über seine Motivation, sich ehrenamtlich für MINT einzubringen. Auch Sie können Teil des MINT-Botschafternetzwerks werden.

Warum engagieren Sie sich als MINT-Botschafter?

Die MINT-Welt hat mich schon zu meiner Schulzeit fasziniert. Es ist wohl dieses Gefühl, die Welt um uns herum verstehen und beeinflussen zu können, welches mich am meisten begeistert hat. Dieses Glücksgefühl möchte ich jungen Menschen gerne mitgeben. Dabei finde ich es umso schöner, andere mit ihren individuellen Erfolgen und schönen Erfahrungen zu begleiten und dann quasi „mitzufiebern“, wenn diese beispielsweise ihren ersten Mikrocomputer in die Hand nehmen oder im Physikunterricht die Magie von Gravitation, Raum und Zeit erforschen.
Natürlich kommt auch hinzu, dass im Bereich MINT über all die Jahre hinweg händeringend Talente gesucht wurden und diese Aufbruchsstimmung einfach Spaß und Energie mitbrachte. Und wer kann behaupten, nicht durch all die bahnbrechenden Fortschritte und die Geschwindigkeit, mit der neue Technologien in unsere Welt eintreten, beeindruckt zu sein? Man denke nur an die Entwicklung angefangen bei Künstlicher Intelligenz über die Digitalisierung der Finanzwelt, Bitcoin, die unzähligen Tools, die mittlerweile allein auf ein kleines Smartphone passen, hin zu Smart Home und Smart Grid. An den Boom im Bereich Elektromobilität, von ferngesteuerten Drohnen über selbstfahrende Elektroautos oder Segways und E-Bikes. An Raketen, die nun einfach wieder landen können und unzähligem mehr …
Aber am wichtigsten ist vielleicht die Tatsache, dass MINT so wichtig geworden ist. Ich denke, es ist essenziell für die Breite der Gesellschaft, sich mit den neuen Möglichkeiten auseinanderzusetzen und eigene Schlüsse zu ziehen. Auch daher möchte ich mich gerne ehrenamtlich als MINT-Botschafter engagieren, um möglichst bei Vielen ein Interesse hierfür zu schaffen.

Wie schafft man es, mehr junge Menschen für mathematische – naturwissenschaftliche – technische Berufe zu begeistern?

Das ist meiner Meinung nach eine Frage, die sich gar nicht so sicher beantworten lässt. Hier spielen auf jeden Fall viele Faktoren eine Rolle. Ein wesentlicher Faktor ist natürlich die kontinuierliche Förderung und das Gestalten von Angeboten. Nur wenn heranwachsende MINT-Talente viele Angebote in Ihrem direkten Umfeld erhalten, können sie sich meines Erachtens auch frei entfalten und entwickeln.
Die Schule ist hier natürlich ein prädestinierter Raum. Aber auch außerhalb sollte es Orte geben, an denen die jungen Leute möglichst zu vielen Zeiten positive Erfahrungen mit MINT in all seinen Facetten machen können. Ein positives Beispiel hierfür sind sicherlich die zahlreichen Repair-Cafés, FabLabs und Co-Working-Spaces, die im Stadtgebiet bereits entstanden sind. Wenn man allerdings einige dieser Orte besucht, stellt man oft fest, dass hier entweder das Angebot oder die Auswahl der Themen und Technik eingegrenzt sind. Es ggf. einfach eine schlechte finanzielle Ausstattung gibt oder doch gewisse Zugangsbeschränkungen bestehen. Auch in vielen Schulen existieren diese Barrieren. Gerade aufgrund hoher Schülerzahlen ist es natürlich nicht immer einfach, adäquate Voraussetzungen zu schaffen und aktuelle Technik für jeden bereitzuhalten. Effektiv ist es also vielleicht gerade, differenziert auf den konkreten Bedarf einzugehen.
Eine Beobachtung, die ich gemacht habe, ist auch, dass junge Leute gerne selbst kreativ ihre Projekte und die verwendete Technik mitbestimmen wollen, sodass es manchmal sehr schön ist, wenn die Technik eigens für ein Projekt beschafft werden kann. Ein jahrelang starr geplanter und fest installierter Unterricht ist hier natürlich nicht immer die beste Option, aufgrund von Planungsvorgaben derzeit aber manchmal kaum vermeidbar. Hierfür kam mir die Idee, dass es vielleicht hilfreich sein könnte, wenn es eine Art überregionale Materialstelle gäbe (eine Art Zentralbibliothek), bei der bspw. deutschlandweit Material für Projekte an Schulen und gemeinnützigen Organisationen verfügbar ist. So würden Schulen und gemeinnützige Träger bei ihrer MINT-Planung entlastet und zugleich ein umweltfreundlicher und ressourcenschonender Zugang geschaffen werden.
Aber natürlich sind es gerade die Menschen, auf die es ankommt. Kinder lernen so vieles im sozialen Kontext. Und je positiver dieser ist, desto besser stehen die Chancen, dass wir in Zukunft noch mehr engagierte MINT-Talente für unsere Gesellschaft gewinnen können.

Was sind die Schwerpunkte Ihres persönlichen MINT-Engagements?

Mein persönlicher Schwerpunkt liegt in der Koordinierung der Angebote für unsere Schüler:innen. Hier ist insbesondere eine zentrale Informationsplattform und Verteiler für Neuigkeiten im MINT-Bereich am Entstehen.
Allgemein existieren glücklicherweise bereits sowohl eine Vielzahl verschiedener MINT-Angebote als auch bereits etliche Kolleg:innen, die aktiv MINT an unserer Schule fördern. Aktiv versuche ich hier Unterstützung einzubringen, laufende MINT-Projekte zu begleiten und die Stakeholder zu vernetzen. Zukünftig ist auch eine Ausweitung der Aktivitäten des MINT-Teams geplant. Ein weiterer zentraler Bestandteil ist natürlich das Netzwerken mit Initiativen wie „mintzukunftschaffen.de“ oder Unternehmen und Universitäten.

Lieber Jan Martin, danke für das schöne Gespräch.

Gruppe von Menschen, die sich bei einem MINT-Botschafter-Event versammelt haben, während sie in die Kamera winken und lächeln. Neben ihnen steht ein Banner mit der Aufforderung, MINT-Botschafter*in zu werden.

Gehören Sie zu den Menschen, die Erfahrungen in MINT gemacht haben oder aktuell spannende Fragestellungen bearbeiten? Sind Sie bereit, diese Erfahrungen jungen Menschen zur Verfügung zu stellen, sie mit Ihren Entwicklungen zu begeistern? Werden Sie Teil des MINT-Botschafternetzwerks, helfen Sie jungen Menschen, sich für MINT zu entscheiden, als MINT-Botschafter*in.

Als Botschafter oder Botschafterin werben Sie durch ihre Aktivitäten authentisch für die MINT-Themen und engagieren sich für MINT-Bildung. Unternehmen können selbst Botschafter*innen bereitstellen oder sich im Rahmen von Workshops, Praktika, „Tag der offenen Tür“, Angebote zu Diskussionsabenden in Schulen u. v. m. engagieren. Mehr zu unserem MINT-Botschafternetzwerk finden Sie hier

Ein Kommentar zu „MINT-Botschafter Jan Martin im Interview

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.