Salih Ergün engagiert sich als MINT-Botschafter für MINT. Salih ist Diplom-Mathematiker, Lehrer für Mathematik und Physik an der Leibnizschule Frankfurt Höchst und Ansprechperson des MINT-Zentrums Frankfurt West und erzählt uns im Interview mehr über seine Motivation, sich ehrenamtlich bei uns einzubringen. Engagieren Sie sich auch für mehr MINT in Deutschland? Machen Sie mit und werden Sie Teil des MINT-Botschafternetzwerks als MINT-Botschafter*in.

Warum engagieren Sie sich als MINT-Botschafter?

Die MINT-Fächer sind großartige, schöne Fächer. Ich freue mich sehr, dass ich zwei von ihnen unterrichte. Diese zu können ist ebenso schön wie wertvoll. Ich versuche mit verschiedensten Methoden, meinen Schülerinnen und Schülern zu ermöglichen, zu erkennen, wie schön diese Fächer sind. Dazu mache ich viele Projekte mit ihnen und nehmen an Wettbewerben teil.
Allein in diesem Jahr haben wir neun Projekte für ‚Jugend forscht‘ entwickelt und vor allem an Mathematikwettbewerben wie dem Känguru-Wettbewerb und Pangea teilgenommen. Außerdem haben wir an der Universität Stuttgart am Wettbewerb Roborace teilgenommen.
Für das nächste Jahr planen wir die Teilnahme an der FIRST LEGO League und weiteren Wettbewerben.
An meiner Schule (Leibnizschule Frankfurt a.M., Höchst) haben wir glücklicherweise ein MINT-Zentrum (MINT-Zentrum Frankfurt West), in dem wir umso intensiver mit freiwilligen Schülerinnen und Schülern in die Welt der MINT-Fächer eintauchen können.
Durch die Technologie verändert sich alles sehr schnell in der Welt. Wer den Neuerungen folgt, bleibt aktuell und wettbewerbsfähig. Durch die Auseinandersetzung mit aktuellen Entwicklungen erkennen unsere Schülerinnen und Schüler, dass sie mehr können und wissen müssen. Außerdem sind sie unsere Zukunft – die Zukunft der Gesellschaft –, und wir müssen sie gut auf diese Zukunft vorbereiten. Durch die Teilnahme an verschiedenen Projekten und Wettbewerben lernen unsere Schülerinnen und Schüler andere engagierte und sehr intelligente Jugendliche kennen. Sie tauschen sich aus, und dabei erweitert sich ihr Horizont.
Die Beschäftigung mit MINT-Fächern ist für Schülerinnen und Schüler eine sehr gute und produktive Sache. Wenn wir sie nicht mit solchen spannenden und attraktiven Themen beschäftigen, finden sie sich schnell in anderen – nicht unbedingt produktiven – Beschäftigungen wieder.
Bei jeder Erfinderin und jedem Erfinder gibt es oft einen Schlüsselmoment – einen Wendepunkt, an dem eine weltverändernde Idee geboren wird. Bei Johann Wolfgang von Goethe war ein solcher Moment das Puppentheater, das er als Kind von seiner Großmutter geschenkt bekam. Dieses Geschenk inspirierte ihn dazu, eigene kleine Theaterstücke aufzuführen, was seine kreative Entwicklung maßgeblich prägte. Bei Carl Friedrich Gauß war es ein Schlüsselmoment im Mathematikunterricht: Sein Lehrer forderte die Klasse auf, die Zahlen von 1 bis 100 zu addieren – eine Aufgabe, die wohl eher zur Beschäftigung gedacht war. Doch Gauß durchschaute das zugrunde liegende Muster sofort und präsentierte in kürzester Zeit die richtige Lösung: 5050. Ein beeindruckender Beweis seines mathematischen Genies schon im Kindesalter. Wer weiß – vielleicht kommt auch jemandem beim Tüfteln oder Experimentieren im MINT-Zentrum ein genialer Einfall.

Wie schafft man es, mehr junge Menschen für mathematische – naturwissenschaftliche – technische Berufe zu begeistern?

Indem wir sie auf irgendeine Art und Weise MINT kosten lassen oder etwas ausprobieren lassen, merken sie selbst, wie spannend es sein kann. Diese Fächer haben eine starke Anziehungskraft. Niemand kann wissen, wie innovativ er oder sie ist, ohne es ausprobiert zu haben.

Wir als Lehrkräfte sollen dafür sorgen, dass Schülerinnen und Schüler im Unterricht, im Rahmen einer AG, bei der Feier des Pi-Tages oder bei der Vorbereitung eines Projekts für ‚Jugend forscht‘ die Gelegenheit bekommen zu zeigen, was in ihnen steckt. Selbst ein kleiner Erfolg reicht oft schon aus – ein Lob oder ein paar motivierende Worte können da Wunder wirken. Ich glaube, beim Loben darf man ruhig ein wenig übertreiben.

Darüber hinaus entsteht dabei häufig eine gewisse Lust und Motivation, weiterzuarbeiten. Im Unterricht sprechen wir oft über Nobelpreisträger oder Träger der Fields-Medaille. Jedes Mal inspiriert es uns aufs Neue, wie sich diese Persönlichkeiten tagelang, monatelang – manchmal jahrelang – mit einem Forschungsgebiet beschäftigt haben.

Auf der anderen Seite dürfen wir nicht vergessen, dass alle Menschen verschieden sind: Sie haben unterschiedliche Begabungen, Interessen und Fähigkeiten. Es wäre schön, wenn wir diejenigen entdecken und fordern, die ein MINT-Potenzial haben – und gleichzeitig gemeinsam mit denjenigen schöne Erfahrungen machen, die vielleicht nicht MINT-begeistert sind, aber wissen, wie wichtig und schön diese Fächer für ihre Kinder und die Gesellschaft sind.

Was sind die Schwerpunkte Ihres persönlichen MINT-Engagements?

Sehr gerne mache ich gemeinsam mit engagierten und wissbegierigen Schülerinnen und Schülern Projekte für ‚Jugend forscht‘. Dafür braucht man innovative Ideen und Kreativität.

Auch an Wettbewerben mit Robotern nehme ich gerne teil. Besonders liebe ich jedoch fachübergreifende Wettbewerbe, bei denen man in zwei Disziplinen gut sein muss – zum Beispiel beim PI-Kuchen-Backwettbewerb, dem Mathematik-Fotowettbewerb (Mathematik + Kunst), dem Matheathlon (Mathematik + Marathon) oder ‚Mathe im Korb‘ (Mathematik + Basketball).

Lieber Salih Ergün, danke für das schöne Gespräch.

Gehören Sie zu den Menschen, die Erfahrungen in MINT gemacht haben oder aktuell spannende Fragestellungen bearbeiten? Sind Sie bereit, diese Erfahrungen jungen Menschen zur Verfügung zu stellen, sie mit Ihren Entwicklungen zu begeistern? Werden Sie Teil des MINT-Botschafternetzwerks, helfen Sie jungen Menschen, sich für MINT zu entscheiden, als MINT-Botschafter*in.

Als Botschafter oder Botschafterin werben Sie durch ihre Aktivitäten authentisch für die MINT-Themen und engagieren sich für MINT-Bildung. Unternehmen können selbst Botschafter*innen bereitstellen oder sich im Rahmen von Workshops, Praktika, „Tag der offenen Tür“, Angebote zu Diskussionsabenden in Schulen u. v. m. engagieren. Mehr zu unserem MINT-Botschafternetzwerk finden Sie hier

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