Waltraud Hermann engagiert sich als MINT-Botschafterin für MINT. Waltraud ist Autorin („Wir können alles – auch die Zukunft„), Rednerin und Organisationsentwicklerin bei Bosch und erzählt uns im Interview mehr über ihre Motivation, sich ehrenamtlich bei uns einzubringen. Engagieren Sie sich auch für mehr MINT in Deutschland? Machen Sie mit und werden Sie Teil des MINT-Botschafternetzwerks als MINT-Botschafter*in.
Warum engagieren Sie sich als MINT-Botschafterin?
Ich bin überzeugt, dass die Stärkung von Kompetenzen in Mathematik, Informatik,
Naturwissenschaften und Technik entscheidend für die Zukunft unserer Gesellschaft ist. In einer Ära, in der technologische Entwicklungen rasant voranschreiten, ist es essentiell, dass junge Menschen nicht nur Anwender, sondern auch Gestalter dieser Technologien sind. Deshalb engagiere ich mich als MINT-Botschafterin. Durch mein Engagement möchte ich dazu beitragen, die Begeisterung für diese Fachbereiche zu wecken und Bildungschancen zu erweitern.
Wie schafft man es, mehr junge Menschen für mathematische – naturwissenschaftliche – technische Berufe zu begeistern?
Eigentlich ist das gar nicht so schwer. Kinder und Jugendliche sind neugierig und äußerst
begeisterungsfähig. Ich bin in Siebenbürgen aufgewachsen, und in meiner Schule haben sich die meisten für Naturwissenschaften und Informatik begeistert. Als ich später nach Deutschland gekommen bin, habe ich mich gewundert, warum Informatik und Physik hier keine weit verbreiteten Lieblingsfächer sind.
Um Jugendliche für MINT-Berufe zu gewinnen, müssen wir ihnen frühzeitig attraktive Zugänge zu diesen Feldern bieten – idealerweise bereits ab dem Kindergarten. Ebenso ist mehr Raum in den Lehrplänen essentiell, denn MINT-Kompetenzen sind ein zentraler Wettbewerbsfaktor. Ein kindgerechtes Heranführen in der „Phase der Schwärmerei“ bis etwa 12 Jahre ermöglicht es, spielerisch Interesse zu wecken, bevor in der darauffolgenden „Phase der Präzision“ eine Vertiefung stattfindet. Ohne frühe Begeisterung bleibt der Lernerfolg oft aus. Besonders in Deutschland wird die Phase der Schwärmerei vernachlässigt, und in der Informatik fehlen oft beide Phasen. Kein Wunder also, dass die meisten Kinder und Jugendlichen einen Bogen um diese Fächer machen. Das muss nicht sein.
Praktische Projekte, Wettbewerbe und Workshops, die Experimentierfreude und
Problemlösefähigkeiten fördern, sind ebenso wirksam wie das Einbeziehen von Vorbildern, die die Vielfalt und Erfüllung in MINT-Karrieren aufzeigen. Die Bildungspolitik muss zudem gewährleisten, dass Schulen gut ausgestattet sind und Lehrkräfte entsprechend fortgebildet werden, um optimale Förderung zu ermöglichen.
Was sind die Schwerpunkte Ihres persönlichen MINT-Engagements?
Meine Schwerpunkte im MINT-Engagement konzentrieren sich auf die Förderung digitaler
Kompetenzen als vierte Kulturtechnik, gleichrangig mit Lesen, Schreiben und Rechnen. Ich setze mich dafür ein, digitale Bildung systematisch in den Lehrplänen zu verankern und Lehrkräfte mit den notwendigen Ressourcen und Fortbildungen auszustatten. Besonders am Herzen liegt mir, Schülerinnen und Schüler als aktive Gestalter ihrer Lernprozesse zu positionieren. Durch Ansätze wie
„Lernen durch Lehren“ und „Reverse Mentoring“, bei denen Schüler als Mentoren für Lehrkräfte fungieren, können sie nicht nur Wissen vertiefen, sondern auch Schlüsselkompetenzen wie Führungsfähigkeiten und Empathie entwickeln. Darüber hinaus sollte MINT-Bildung einen zentralen Platz im lebenslangen Lernen in der Gesellschaft einnehmen, um auf die sich stetig ändernden Anforderungen der Arbeitswelt reagieren zu können.
Ein weiteres zentrales Anliegen ist für mich, das Bewusstsein für die Bedeutung von MINT-Fächern in der breiten Öffentlichkeit zu stärken und Kooperationen zwischen Bildungseinrichtungen und der Industrie zu fördern. Der Mangel an fundierter MINT-Bildung in den Schulen ist eine direkte Ursache für den Fachkräftemangel und verzögert oft die berufliche Entwicklung der Arbeitskräfte in Deutschland.
Liebe Waltraud Hermann, danke für das schöne Gespräch.

Gehören Sie zu den Menschen, die Erfahrungen in MINT gemacht haben oder aktuell spannende Fragestellungen bearbeiten? Sind Sie bereit, diese Erfahrungen jungen Menschen zur Verfügung zu stellen, sie mit Ihren Entwicklungen zu begeistern? Werden Sie Teil des MINT-Botschafternetzwerks, helfen Sie jungen Menschen, sich für MINT zu entscheiden, als MINT-Botschafter*in.
Als Botschafter oder Botschafterin werben Sie durch ihre Aktivitäten authentisch für die MINT-Themen und engagieren sich für MINT-Bildung. Unternehmen können selbst Botschafter*innen bereitstellen oder sich im Rahmen von Workshops, Praktika, „Tag der offenen Tür“, Angebote zu Diskussionsabenden in Schulen u. v. m. engagieren. Mehr zu unserem MINT-Botschafternetzwerk finden Sie hier
