Hans-Jörg Gerdes engagiert sich als MINT-Botschafter für „MINT Zukunft schaffen!“ und unterstützt uns außerdem als Schulberater beim Bewerbungsprozess für die beiden Signets „MINT-freundliche Schule“ und „Digitale Schule“. Im Interview erzählt Hans-Jörg Gerdes mehr über seine Motivation sich als MINT-Botschafter einzubringen und die Schulen beim Bewerbungsprozess zu unterstützen. Wenn Sie sich als Schule auf unsere Signets „MINT-freundliche Schule“ und/oder „Digitale Schule“ bewerben wollen, finden Sie alle Infos hier.
Hans-Jörg Gerdes, warum engagieren Sie sich als MINT-Botschafter/in?
Ich verbinde hier zwei ehrenamtliche Engagements. Bei Arbeiterkind.de werden Schüler:innen unterstützt, die als erste in ihrer Familie studieren wollen. Oft werden von diesen dann technische Berufe angestrebt, z.B. Maschinenbau. Und wenn das naturwissenschaftliche Angebot an Schulen gut ist, ist der Schritt einfacher. So ging es mir, weil in meiner Schulzeit durchgehend Chemie angeboten wurde.
Zum anderen finde ich es immer wieder spannend, wie ein MINT Wissen helfen kann, diese komplexe Welt zu verstehen und Optionen bewerten zu können. Z.B. Wasserstoff durch Sonnenenergie, Batterien in Elektroautos, der Effekt von CO2 in der Atmosphäre.
Hier weiter für Interesse zu werben und Schulen zu ermutigen, ein attraktives Angebot zu schaffen, halte ich für sehr wichtig. Nur mit Betriebswirt:innen und Anwält:innen bekommen wir die Klimakrise nicht in den Griff.
Wie schafft man es, mehr junge Menschen für mathematische – naturwissenschaftliche – technische Berufe zu begeistern?
MINT muss im wahrsten Sinne des Wortes „fassbar“ werden. Lieber ein kleines Programm schreiben statt die „4 Probleme der Datenkonsistenz“ auswendig zu lernen. In meiner Schulzeit gab es noch viele Chemieexperimente. Das Periodensystem wurde dann nebenher erfasst. Biologie auch mal draussen machen, z.B. im Frühjahr , wenn die Kröten sicher wandern sollen. Dann wird es praktisch, spannend und eine echte Konkurrenz zu digitalen Spiel- und Filmalternativen
Viele MINT-Schulen haben Kooperationen mit Firmen in der Umgegend, da können Schüler:innen auch mal typische Berufsfelder sehen. Das ist hilfreich.
Und vielen Schulen brennen ein echtes Feuerwerk ab, was Teilnahme an Wettbewerben von „Känguru“ bis „Jugend forscht“ angeht. Da wünschte ich mir, dass viele andere Schulen sich das zum Vorbild nehmen.
Was mich persönlich fasziniert hat war, wie die verschiedenen Schulen mit der Corona-Pandemie umgegangen sind. Wenige verschanzten sich hinter „wir konnten ja nichts machen“. Aber was ich da an Kreativität und Flexibilität erlebt habe, war umwerfend. Da wurde alles getestet , was möglich und erlaubt war. Natürlich auch mit digitalen Formaten, aber auch viele Exkursionen nach draussen. Nennenswert sind die vielen Schulen, die einen Ballon gebastelt, bestückt und mit einer Kamera in die Stratosphäre haben aufsteigen lassen.
Also auch mal ein verdientes Lob an die vielen Lehrkräfte, die sich wohl den Kopf zerbrochen haben, ein MINT-Angebot trotz Corona aufzubauen!
Was sind die Schwerpunkte Ihres persönlichen MINT-Engagements?
Angefangen habe ich vor 2 Jahren als Juror, also die Bewerbungen der Schulen intensiv sichten und bewerten. Dieses Jahr wird es meine dritte Runde. Ich freue mich eigentlich darauf, weil die Beiträge und Einreichungen sehr unterschiedlich und divers sind.
In diesem Jahr bin ich noch Ansprechpartner für Schulen in Mecklenburg-Vorpommern, auch wenn ich in Berlin wohne. Der Besuch im Herbst zur MINT-Ehrung in diesem schönen Bundesland habe ich fest eingeplant !
Sie unterstützen uns als ehrenamtliche/r Schulberater/in. Warum ist es Ihrer Meinung nach so wichtig, dass sich die Schulen auf die Signets „Digitale Schule“ und/oder „MINT-freundliche Schule“ bewerben?
Meiner Meinung nach aus zwei wesentlichen Gründen:
- Aussenwirkung: bei der Schulwahl scheint es für Eltern ein wichtiges Kriterium zu sein, das kommt in den Bewerbungen sehr deutlich durch.
- Innenwirkung: wer den MINT -Weg geht, verpflichtet sich, sich kontinuierlich zu verbessern. Steht bei der ersten Bewerbung z.B. noch die Projektwoche im Vordergrund, oder der Lego-Roboter-Nachmittag, geht es dann oft zu regelmässigen Kursangeboten über; bis hin zur vollen Integration von MINT-Ansätzen in allen Stufen, so dass sich ein kontinuierlicher Weg für die Schüler:innen ergibt.
Hans-Jörg Gerdes, vielen Dank für das Gespräch.

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Als Botschafter oder Botschafterin werben Sie durch ihre Aktivitäten authentisch für die MINT-Themen und engagieren sich für MINT-Bildung. Unternehmen können selbst Botschafter*innen bereitstellen oder sich im Rahmen von Workshops, Praktika, „Tag der offenen Tür“, Angebote zu Diskussionsabenden in Schulen u. v. m. engagieren. Mehr zu unserem MINT-Botschafternetzwerk finden Sie hier.
Start Bewerbungsphase Signets Schulen 2024
Bis Ende Mai 2024 ist es für alle Schulen wieder möglich, sich als “MINT-freundliche Schule” zu bewerben. Gleichzeitig startet auch die Bewerbungsphase für das Signet „Digitale Schule“. Zu beiden Signets haben wir für Sie die Informationen hier zusammengefasst.
