,„MINT-Bildung ist wie gutes Benehmen: man braucht sie, um gut durchs Leben zu kommen.“ Das Zitat stammt von MINT-Botschafterin Tanja Rühl, Education Manager, PlasticsEurope Deutschland e.V.. Sie erzählt uns im Interview mehr über ihre Motivation, sich ehrenamtlich für MINT einzubringen. Auch Sie können Teil des MINT-Botschafternetzwerks werden.

Warum engagieren Sie sich als MINT-Botschafterin?

Weil ich fest davon überzeugt bin, dass wir es uns diese, ich nenne es ganz bewusst mal Feindlichkeit gegenüber den Naturwissenschaften einfach nicht mehr länger leisten können. Die Naturwissenschaften bestimmen unser ganzes Leben; wie sollen junge Menschen Orientierung finden, wenn sie einfachste Zusammenhänge nicht verstehen und nicht einordnen können. Nehmen Sie das Beispiel E-Auto oder PV-Anlage: Beides verstehe ich nicht, wenn ich nicht weiß, wie eine Batterie aufgebaut ist.

Wie schafft man es, mehr junge Menschen für mathematische – naturwissenschaftliche – technische Berufe zu begeistern?

Das ist die Gretchenfrage… Meiner Einschätzung nach geht es nur über ganz unterschiedliche Ansätze. Eine große Rolle spielt dabei das oben erwähnte Interesse an naturwissenschaftlichen Themen; hier sehe ich die meiste Verantwortung in der Familie und in der Schule. Die Schule hat nachweislich großen Einfluss auf die Meinungen junger Menschen. Wenn es uns gelingt, dass die Lehrkräfte hier ein spannendes, aktuelles Bild dieser MINT-Berufe vermitteln, ist schon sehr viel gewonnen. Ein zweiter Punkt sind gerade bei jungen Frauen sichtbare Vorbilder, mit denen ich mich identifizieren kann. Und drittens müssen wir auf den Kanälen unterwegs sein, wo wir die Jugendlichen treffen: zum Beispiel TikTok, Instagram und Spotify. In diesem Zusammenhang möchte ich gerne auf die Ausbildungskampagne unserer Industrie hinweisen, die im vergangenen Jahr gestartet wurde. Unter Zukunftsbranche Kunststoffindustrie zeigen wir die ganze Bandbreite der Berufe in unserer Industrie auf. Und damit das ganze nicht zu langweilig wird, haben wir zum Beispiel kurze Videos von Azubis eingebunden. Beworben wird diese neue Plattform auf den genannten Kanälen.

Was sind die Schwerpunkte Ihres persönlichen MINT-Engagements?

Ich konzentriere mich seit langem auf den Grundschulbereich. Denn Studien zeigen ganz deutlich: nur wenn ich im frühen Kinder- und Jugendalter (bis ca. 12 Jahre) positive Erfahrungen mit Naturwissenschaften gemacht habe, bin ich bereit, mich in der Pubertät weiter damit zu beschäftigen. Ist das nicht der Fall, sind die Jugendlichen nur sehr eingeschränkt bereit, sich in dieser eher schwierigen Entwicklungsphase neben der zweiten Fremdsprache auch noch auf Naturwissenschaften einzulassen. Das führt dazu, dass ich an alle Sachkunde-Lehrkräfte appellieren möchte, so viele Experimente wie möglich mit den Kindern durchzuführen, um diese kindliche Neugierde und Faszination am Leben zu halten. Parallel dazu haben wir seit vergangenem Jahr eine Fortbildung zum Thema „Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit mit Kunststoffen“ entwickelt. Sie richtet sich speziell an Schülerinnen und Schüler der Oberstufe, also an die Klassen 11 bis 13 an Gymnasien oder Berufsschulen, und möchte mit gängigen Vorurteilen über Kunststoffe aufräumen. Ich zeige auf, wie Kunststoffe im Kreislauf geführt werden können und wie die Transformation der Industrie zur Klimaneutralität gelingen kann. Hier übersteigt gerade die Nachfrage deutlich unsere Kapazitäten: wir haben also offensichtlich den richtigen Nerv getroffen.

Liebe Tanja Rühl, danke für das schöne Gespräch.


Gruppe von Menschen, die sich bei einem MINT-Botschafter-Event versammelt haben, während sie in die Kamera winken und lächeln. Neben ihnen steht ein Banner mit der Aufforderung, MINT-Botschafter*in zu werden.

Gehören Sie zu den Menschen, die Erfahrungen in MINT gemacht haben oder aktuell spannende Fragestellungen bearbeiten? Sind Sie bereit, diese Erfahrungen jungen Menschen zur Verfügung zu stellen, sie mit Ihren Entwicklungen zu begeistern? Werden Sie Teil des MINT-Botschafternetzwerks, helfen Sie jungen Menschen, sich für MINT zu entscheiden, als MINT-Botschafter*in.

Als Botschafter oder Botschafterin werben Sie durch ihre Aktivitäten authentisch für die MINT-Themen und engagieren sich für MINT-Bildung. Unternehmen können selbst Botschafter*innen bereitstellen oder sich im Rahmen von Workshops, Praktika, „Tag der offenen Tür“, Angebote zu Diskussionsabenden in Schulen u. v. m. engagieren. Mehr zu unserem MINT-Botschafternetzwerk finden Sie hier

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