Am Montagabend, dem 8. Juni 2026, wurden sechs herausragende Persönlichkeiten sowie neun Schüler*innen als neue MINT-Botschafterinnen und MINT-Botschafter der nationalen Initiative „MINT Zukunft schaffen!“ ausgezeichnet. Die feierliche Ehrung fand im Rahmen unseres Vorabend-Netzwerktreffens für die bereits angereisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 14. Nationalen MINT-Gipfels statt – ein bewusst gesetzter Auftakt für den Gipfeltag, der am 9. Juni ganz im Zeichen von Gründergeist, Entrepreneurship und MINT-Innovation stand.
Rund 80 Führungspersönlichkeiten aus Schulen, Hochschulen, Unternehmen, Verbänden und Initiativen waren der Einladung gefolgt – von der Technischen Universität Berlin über Samsung Electronics, Amazon, Christiani, Hohenloher, LJBW Sachsen, Wissensfabrik, BDLI, Hacker School, MNU und die Deutsche Bahn bis hin zu engagierten Lehrkräften und Schulleitern aus dem gesamten Bundesgebiet. Gemeinsam bildeten sie an diesem Abend genau das, was MINT-Bildung braucht: ein lebendiges Netzwerk aus Menschen, die Bildung nicht nur verwalten, sondern gestalten.
Die Fotos der Veranstaltung finden Sie hier im Google Drive zur freien Verwendung (c) MINT Zukunft. Als Album haben wir die Fotos hier gesammelt.
Begrüßung: KI, Leidenschaft und die Frage nach dem Warum
Den Auftakt machten Prof. Dr. Christoph Meinel, Vorstandsvorsitzender von „MINT Zukunft schaffen!“, und Geschäftsführer Benjamin Gesing. Prof. Dr. Meinel – Informatiker und langjähriger Direktor des Hasso-Plattner-Instituts sowie aktueller Gründer der German UDS, der ersten voll-digitalen Universität – eröffnete den Abend mit einer provokanten Frage: Was kann KI eigentlich – und was eben nicht? Seine These: Künstliche Intelligenz kann Wissen abrufen, Muster erkennen und Texte generieren. Was sie nicht kann, ist echtes Verstehen, Neugier und den Willen, etwas zu verändern. Genau diese Qualitäten müsse MINT-Bildung fördern – nicht als Gegenmittel zur KI, sondern als ihr notwendiges Komplement.
Benjamin Gesing stellte im Anschluss die Initiative „MINT Zukunft schaffen!“ vor: rund 3.000 zertifizierte Schulen, 20.000 Botschafterinnen und Botschafter, Mitglied im Nationalen MINT-Forum – und ein klares Selbstverständnis: MINT-Bildung ist kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, wirtschaftliche Resilienz und persönliche Entfaltung. Der Abend, so Gesing, stehe exemplarisch für das, was die Initiative ausmache: konkretes Engagement, konkrete Menschen, konkrete Wirkung.
Impulse: Entrepreneurship als Bildungsauftrag
Vier Impulsgeberinnen und -geber setzten anschließend inhaltliche Akzente, die den Abend prägten:
Michael Vollmann, Education Lead Europe bei Amazon, berichtete über das Programm Amazon Future Engineer und weitere Aktivitäten von Amazon im Bereich CSR und Education, wie zum Beispiel das Kiezlab. Seine Botschaft war klar: Entrepreneurship in Schulen ist keine Spielerei, sondern Notwendigkeit. Wer junge Menschen nicht früh an unternehmerisches Denken heranführe – an das Entwickeln von Ideen, das Scheitern, das Iterieren –, der verspiele Potenzial. Amazon Future Engineer zeige, wie sich technische Kompetenzen und soziales Unternehmertum verbinden ließen, um echte Wirkung in Schulen zu entfalten.
Dr. Anja Hagen, Co-Vorsitzende des EdTech-Verbands und Gründerin von onlinevertretungsstunden.de, brachte eine besonders nahbare Perspektive mit: die eigene Gründungsgeschichte. Sie erzählte, wie aus einem schulischen Problem – dem Vertretungsunterricht – ein digitales Bildungsunternehmen entstanden ist, und nutzte dies als Sprungbrett für eine größere These: Schülerinnen und Schüler, die digitale Probleme kennen, sind die besten Gründerinnen und Gründer im EdTech-Bereich. Als Beispiel nannte sie die Gründungsgeschichte von iServ – ein Schulverwaltungssystem, das aus der Schule heraus entstanden ist und heute bundesweit im Einsatz ist. Der EdTech-Sektor, so Hagen, sei eine reale Chance für Schüler-Startups: Der Markt ist groß, der Bedarf evident, und nirgendwo kennt man die Nutzerinnen und Nutzer besser als in der Schule selbst.
Anton Schöpe vom YOUNG FOUNDERS NETWORK sprach als einer der Jüngsten im Raum – und mit dem authentischsten Erfahrungsbericht: Er hat selbst noch keine 25 Jahre auf dem Buckel und bereits ein Unternehmen gegründet. Sein Appell: MINT und Gründergeist gehören zusammen, und Schulen müssen aufhören, diese Verbindung zu ignorieren. Mit der Aktion Startup in School zeigt das YOUNG FOUNDERS NETWORK, wie Schülerinnen und Schüler lernen können, Ideen zu entwickeln, Teams zu formen und Lösungen zu bauen – und zwar im regulären Schulkontext, nicht als Zusatzprogramm für Auserwählte.
Wilke Ziemann von der BMWK-Geschäftsstelle „Unternehmergeist in die Schulen“ rundete die Impulsrunde ab. Er stellte das bundesweite Netzwerk für Schülerfirmen, Gründungswettbewerbe und Projekte zu Entrepreneurship vor und machte auf einen wichtigen Termin aufmerksam: die Gründungswoche im Herbst, bei der Schulen deutschlandweit zeigen können, was in ihnen steckt. Gründung in Schulen, so Ziemann, sei kein Luxus für privilegierte Gymnasien, sondern ein Bildungsauftrag für alle Schulformen – und ein wirksames Mittel, um MINT-Kompetenzen in echten Kontexten zu verankern.
Praxis-Check: Zwei Schulen, die es einfach machen
Den stärksten Applaus des Abends ernteten nicht die Erwachsenen – sondern die Schülerinnen und Schüler, die im Praxis-Check ihre eigenen Projekte vorstellten.
Die Berlin Cosmopolitan School präsentierte „ask guided“ – ein KI-gestütztes Lerntool, das sokratisches Fragen in den Schulalltag bringt. Der Chatbot begleitet Schülerinnen und Schüler beim Denken, statt Antworten zu liefern: Er stellt Gegenfragen, regt zur Reflexion an und orientiert sich dabei am tatsächlichen Curriculum der Schule. Das Projekt zeigt, wie Schülerinnen und Schüler KI nicht konsumieren, sondern als Werkzeug begreifen und gestalten können. Die Gründer Friedrich Louis Ferdinand Wende, Arsenii Cherednichenko, Jakob Lou Poorhosaini wurden als MINT-Botschafter ausgezeichnet.
Das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium Rösrath brachte ein ganz anderes, handfesteres Modell mit: eine Schülergenossenschaft für Veranstaltungstechnik. Seit nahezu 10 Jahren betreiben Schülerinnen und Schüler hier eine Schülergenossenschaft (mehr zur Form hier https://schuelergeno.de/) / eine Schülerfirma als Schulprojekt in genossenschaftlicher Form – mit Aufträgen, Verantwortung, Technikverständnis und Teamarbeit. Licht, Ton, Bühne: Was nach Schultheater klingt, ist in Rösrath ein lebendiges MINT-Lernlabor, das technisches Know-how, wirtschaftliches Denken und soziale Kompetenz in einem Modell vereint. Die Beteiligten Selma Finkenbrink, Noah Wiesmann, Leonard Bruns, Anton Tröltzsch, Maja Masberg, Burkhard Koch und Bastian Pütz wurden für ihr besonderes Engagement als MINT-Botschafter*innen ausgezeichnet.
Beide Schulen demonstrierten eindrucksvoll, was möglich ist, wenn Bildungseinrichtungen den Mut haben, Schülerinnen und Schülern echte Verantwortung zu übertragen.
Ehrung der neuen MINT-Botschafterinnen und MINT-Botschafter
- Holger Seifert (Technische Sammlungen Dresden): Holger Seifert macht an den Technischen Sammlungen Dresden außerschulisches Lernen lebendig: Als Brücke zwischen Kultureinrichtung und Schule eröffnet er Kindern und Jugendlichen faszinierende Zugänge zu Technik und Naturwissenschaften – und zeigt, wie Museen zu echten MINT-Lernorten werden können.
- Prof. Dr. Petra Skiebe-Corrette (Freie Universität Berlin, Vorsitzende Bundesverband Schülerlabore): Als Leiterin des NatLab der FU Berlin und Vorsitzende des Bundesverbands Schülerlabore setzt Prof. Dr. Skiebe-Corrette bundesweit Maßstäbe: Sie vernetzt hunderte Schülerlabore in Deutschland und sorgt dafür, dass junge Menschen experimentelles Forschen als Selbstwirksamkeitserfahrung erleben können.
- Dr. Anja Hagen (Geschäftsführerin OVS GmbH / Online-Vertretungsstunden, Co-Vorsitzende EdTech-Verband): Dr. Anja Hagen treibt die digitale Transformation des Bildungssystems aktiv voran: Mit Online-Vertretungsstunden schließt sie strukturelle Lücken im Schulalltag und setzt als Co-Vorsitzende des EdTech-Verbands die Stimme der Bildungstechnologie-Branche wirkungsvoll in der Bildungspolitik ein.
- Anton Schöpe (YOUNG FOUNDERS NETWORK, Chapter Dresden): Anton Schöpe begeistert junge Menschen in Dresden und darüber hinaus für unternehmerisches Denken: Im YOUNG FOUNDERS NETWORK bringt er Gründergeist in Schulen und zeigt Schülerinnen und Schülern, wie aus MINT-Kompetenzen echte Geschäftsideen entstehen können.
- Dr. Rowena Sandner (CSR-Gesellschaft Nürnberg, MINT Minded Company): Dr. Rowena Sandner verbindet gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen mit MINT-Förderung: Als Trägerin des Studentenpreises MINT Minded Company steht sie für Unternehmen, die MINT-Nachwuchs nicht nur beschäftigen, sondern aktiv fördern und als strategische Zukunftsaufgabe verstehen.
- Wilke Ziemann (Leiter BMWK-Geschäftsstelle „Unternehmergeist in die Schulen“): Wilke Ziemann bringt Gründungskultur direkt in den Klassenraum: Als Leiter der Bundesministeriums-Geschäftsstelle „Unternehmergeist in die Schulen“ fördert er Schülerfirmen und Entrepreneurship-Bildung bundesweit – und macht damit MINT-Kompetenzen erlebbar als Grundlage für unternehmerisches Handeln,
Ein Abend, der weiterging
Der offizielle Teil endete um 18:00 Uhr – doch der Abend war damit längst nicht vorbei. Die Gruppe ging gemeinsam in die L’Osteria am Uberplatz, wo sich die Gespräche über Tisch fortsetzten, die am Nachmittag begonnen hatten. Zwischen Prosecco, Pasta und Pizza diskutierten Lehrkräfte mit Unternehmensvertreterinnen, Gründerinnen mit Schulleiterinnen, Botschafter mit Botschaftern – und alle miteinander über die Frage, die den nächsten Gipfeltag bestimmen sollte: Wie entfesseln wir die Potenziale im MINT-Bereich?
Zur Initiative: „MINT Zukunft schaffen!“ ist eine Community von Unternehmen, Verbänden, Stiftungen und Initiativen und setzt sich für die Stärkung der MINT-Bildung ein. Die Initiative vergibt die Signets „MINT-freundliche Schule“ und „Digitale Schule“ – im Jahr 2026 tragen rund 3.000 Schulen in Deutschland ein Signet. „MINT Zukunft schaffen!“ ist Co-Gründer und Mitglied des Nationalen MINT-Forums und steht unter Schirmherrschaft des Bundeskanzlers.
Kontakt: Benjamin Gesing, benjamin.gesing@mintzukunftschaffen.de

