„Ich engagiere mich für MINT, weil junge Menschen beim eigenen Ausprobieren erleben, dass sie Zukunft mitgestalten können.“ Das Zitat stammt von MINT-Botschafter Martin Duyster, Projektleiter für Bildungs- und Forschungsprojekte bei der Provadis Partner für Bildung und Beratung GmbH in Frankfurt am Main-Höchst. Er erzählt uns im Interview mehr über seine Motivation, sich ehrenamtlich für MINT einzubringen. Auch Sie können Teil des MINT-Botschafternetzwerks werden.
Warum engagieren Sie sich als MINT-Botschafter?
Mein MINT-Engagement begann lange bevor es zu meinem beruflichen Schwerpunkt wurde. Bereits 2007 habe ich an der vierwöchigen Mitmach-Ausstellung „Experimentiere!“ im Physikalischen Verein in Frankfurt mitgewirkt. Der große Zuspruch zeigte damals eindrucksvoll, wie viel Neugier und Begeisterung entstehen können, wenn Menschen Wissenschaft nicht nur erklärt bekommen, sondern selbst ausprobieren dürfen. Aus diesem Erfolg entwickelte sich später die EXPERIMINTA, an deren Aufbauphase und Weiterentwicklung ich beteiligt war: Vom Exponate-Bau bis zur Entwicklung neuer Bildungsangebote.
Diese Erfahrung prägt meine Arbeit bis heute: MINT-Begeisterung entsteht vor allem durch eigenes Handeln, durch Fragen, durch Ausprobieren und manchmal auch durch ein Scheitern, aus dem ein echter Aha-Moment wird. Als MINT-Botschafter möchte ich dazu beitragen, solche Erfahrungen möglichst vielen jungen Menschen zu ermöglichen. Insbesondere auch denjenigen, die sich selbst zunächst vielleicht gar nicht als „MINT-Typ“ sehen.
MINT-Bildung bedeutet für mich außerdem weit mehr als Fachkräftesicherung. Klimaschutz, Energiewende, Digitalisierung, künstliche Intelligenz und viele weitere Zukunftsfragen werden wir nur mit naturwissenschaftlichem und technischem Verständnis bewältigen können. Gleichzeitig hilft MINT-Bildung dabei, Zusammenhänge zu verstehen, Informationen kritisch zu prüfen und sich faktenbasiert an gesellschaftlichen Debatten zu beteiligen. Damit ist sie für mich auch ein wichtiger Beitrag zur Demokratiebildung.
Wie schafft man es, mehr junge Menschen für mathematische – naturwissenschaftliche – technische Berufe zu begeistern?
Indem wir nicht zuerst über Fachkräftemangel, Berufsbilder oder Anforderungen sprechen, sondern junge Menschen selbst erleben lassen, was MINT kann. Wer einen Motor baut, ein eigenes Spiel programmiert, mit erneuerbaren Energien experimentiert oder gemeinsam im Team eine technische Lösung entwickelt, bekommt einen ganz anderen Zugang zu diesen Themen als allein über theoretische Erklärungen.
Entscheidend ist, dass die Aufgaben einen Bezug zum Alltag und zu den großen Fragen unserer Zeit haben. Junge Menschen wollen wissen, wofür sie etwas lernen und was sie damit bewirken können. Wenn sie erleben, dass MINT kreativ ist, im Team stattfindet und konkrete Lösungen für Klimaschutz, Gesundheit, Mobilität oder Digitalisierung ermöglicht, wird daraus mehr als ein Schulfach.
Dazu gehören auch Begegnungen mit Auszubildenden, Fachkräften und Unternehmen. Sie machen berufliche Wege greifbar und zeigen, dass es nicht den einen typischen Menschen für MINT gibt. Besonders Mädchen brauchen vielfältige Vorbilder und Räume, in denen sie Technik ohne Rollenklischees ausprobieren und ihre eigenen Stärken entdecken können.
Ein einzelner Projekttag kann einen wichtigen Funken entzünden. Nachhaltige Wirkung entsteht aber vor allem durch kontinuierliche Begleitung. Deshalb müssen Schulen, außerschulische Lernorte, Unternehmen und weitere Bildungspartner langfristig zusammenarbeiten und auch Lehrkräfte dabei unterstützt werden, aktuelle Themen und neue Technologien in ihren Unterricht einzubinden.
Was sind die Schwerpunkte Ihres persönlichen MINT-Engagements?
Im Mittelpunkt meines Engagements stehen eine praxisnahe Berufsorientierung, eine möglichst breite MINT-Förderung und die langfristige Vernetzung unterschiedlicher Lernorte und Partner.
Nach meinen ersten Erfahrungen bei „Experimentiere!“ habe ich die EXPERIMINTA einige Jahre inhaltlich und praktisch mitgestaltet und weiterentwickelt. Dabei ging es für mich immer darum, naturwissenschaftliche und technische Zusammenhänge durch selbst gebaute Exponate, Experimente und Workshops tatsächlich begreifbar zu machen.
Später habe ich für Provadis mit EXPERIMINTA verschiedene Maßnahmen zur MINT-Berufsorientierung umgesetzt, unter anderem „MINT – Die Stars von Morgen“. Heute arbeite ich im Projekt Girls4MINT daran, insbesondere Mädchen durch mehrtägige Praxiserfahrungen in Unternehmen für technische und naturwissenschaftliche Berufe zu begeistern. Dabei sollen sie nicht nur Berufsbilder kennenlernen, sondern auch ihre eigenen Stärken entdecken und Vertrauen in ihre Fähigkeiten entwickeln.
Ein weiterer zukünftiger Schwerpunkt ist der Aufbau und die inhaltliche Begleitung von MINT-Zentren an Schulen im Großraum Frankfurt. Ich unterstütze ihre Vernetzung, entwickle Workshopkonzepte und bringe Schulen, Unternehmen und weitere Partner zusammen. Ein besonderes Highlight war das Projekt „PowerUp“, dessen Idee aus der Arbeit bei Girls4MINT hervorgegangen ist und von vier MINT-Zentren mit der Frage der Energieversorgung der Zukunft klimaneutral gestaltet werden kann. Dies mündete in einer Ausstellung in der EXPERIMINTA.
Zur nachhaltigen MINT-Förderung gehört für mich auch die Begleitung von Lehrkräften und Eltern, in die ich mich aus verschiedenen Projektzusammenhängen heraus mit Partnern wie Unternehmen oder dem VCI mit Freude einbringe.
Darüber hinaus engagiere ich mich ehrenamtlich kommunalpolitisch im Bildungsbereich. Auch dort setze ich mich dafür ein, außerschulische Lernorte zu stärken, Bildungsakteure besser miteinander zu vernetzen und gute MINT-Angebote möglichst vielen jungen Menschen zugänglich zu machen.
Zur Person:
Martin Duyster ist Projektleiter für Bildungs- und Forschungsprojekte bei der Provadis Partner für Bildung und Beratung GmbH in Frankfurt am Main-Höchst. Bereits 2007 wirkte er an der Mitmach-Ausstellung „Experimentiere!“ mit, aus deren Erfolg später die EXPERIMINTA hervorging. Seitdem entwickelt und begleitet er praxisnahe Angebote zur MINT-Bildung und Berufsorientierung. Vom Exponatebau über Girls4MINT und in schulischen MINT-Zentren bis zu Lehrkräftefortbildungen und Projekten rund um Energiewende, Digitalisierung und künstliche Intelligenz. Darüber hinaus ist er ehrenamtlich kommunalpolitisch im Bildungsbereich aktiv.
Lieber Martin Duyster, danke für das schöne Gespräch.
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