„Ich setze mich dafür ein, dass Mädchen und Frauen in MINT mutig und selbstverständlich mit klaren Argumenten, unbequemen Fragen und eigenen Ideen in Zahlen, Modellen und Experimenten ihren Platz einnehmen, so wie Curie, McClintock, Franklin und Noether. Dafür arbeite ich in der Bildungs- und Stiftungslandschaft mit Haltung und Herz und Hingabe.“ Das Zitat stammt von MINT-Botschafterin Jolissa Rusin, Pädagogin, Bildungsreferentin & Mentorin bei der Liz Mohn Stiftung / Digital8 und an der Don Bosco Schule Rostock, CEO Fin & Feel Bildungszentrum und ganzheitlicher, zertifizierter Coach für Hochsensibilität und Leitung in der Hochsensibilitätspädagogik sowie Kinderschutzbeauftragte an der Feingeister Schule. Sie erzählt uns im Interview mehr über ihre Motivation, sich ehrenamtlich für MINT einzubringen. Auch Sie können Teil des MINT-Botschafternetzwerks werden.
Warum engagieren Sie sich als MINT-Botschafterin?
Ich engagiere mich als MINT‑Botschafterin, weil MINT‑Bildung für mich der mutigste und ebenso feinfühligste Weg ist, Zukunft zu gestalten, besonders für Mädchen und Frauen, welche ihre Stimme in Zahlen, Prozessen, Modellen und Experimenten finden wollen. Ich habe am eigenen Lebensweg erlebt, wie sehr gute MINT‑Erfahrungen Selbstvertrauen, Selbstwirksamkeit, analytisches Denken und finanzielle Unabhängigkeit stärken können und ich möchte diese Erfahrung weitergeben sowie Mädchen und Frauen ermutigen. In einem meiner Lieblingsworkshops legen Grundschulkinder mit kleinen Magneten „Denkstraßen“ auf dem Boden. Jede Station steht für eine Forscherfrage. Am Ende bemerken sie, dass ihre Ideen so anziehend sein können wie die Magnetkraft. Dieser Moment, wenn ihre Augen leuchten, ist der Grund, warum ich dieses Engagement mit so viel Herz lebe.
Wie schafft man es, mehr junge Menschen für mathematische – naturwissenschaftliche – technische Berufe zu begeistern?
Junge Menschen lassen sich gewinnen, wenn MINT als lebendiges Erfahrungsfeld gestaltet wird. Ich öffne dafür Räume, in denen sie experimentieren dürfen, Fehler als Lernschätze gelten und in denen sie Expertinnen und Experten persönlich begegnen, die ehrlich von ihrem Alltag erzählen und damit magnetische, glaubwürdige Vorbilder bieten.
Mir persönlich ist dabei wichtig, dass junge Menschen ihre eigenen Fragen ins Zentrum stellen dürfen. Was hat das, was ich berechne, mit meinem späteren Leben zu tun? Wie fühlt sich der Berufsalltag einer Ingenieurin, Architektin, Programmiererin oder Chemikerin an? Welche Rolle spielt MINT, wenn es um Teilhabe oder meinen zukünftigen Lebensstandard geht?
Passt ein bestimmter MINT‑Weg zu meinem Charakter, zu meiner Sensibilität, zu meinem Wunsch nach Sicherheit oder Freiheit? Wie gehe ich damit um, wenn ich gerne tüftle, aber Prüfungen hasse oder wenn ich sehr genau beobachten kann, aber nicht die laute Persönlichkeit bin, der sich ständig meldet?
Was sind die Schwerpunkte Ihres persönlichen MINT-Engagements?
Mein MINT‑Engagement konzentriert sich auf die Arbeit mit Schulen und Stiftungen, in denen ich Programme mitentwickle, die Mädchen und junge Frauen früh, langfristig und sehr individuell mit einem wertschätzenden Blick auf ihrem Weg in MINT stärken.
Ein Schwerpunkt ist Entrepreneurship‑ und Demokratiebildung in Verbindung mit MINT. In Projekten zur „Stadt der Zukunft“ lasse ich Kinder in Rollen schlüpfen, Ingenieurin, Architektin, Unternehmerin, Elektriker. Sie planen gemeinsam eine klimafreundliche Stadt, stimmen demokratisch über Lösungen ab und rechnen gleichzeitig Energieverbrauch, Kosten und Wirkung durch. Ein weiterer Schwerpunkt ist unabhängige Finanzbildung und KI in der Schule. Von einfachen Budget‑Spielen mit buntem Spielgeld über Haushaltsplanung bis hin zu Aktienanlagen, in denen wir Chancen und Risiken abwägen.
In meinen Workshops und Fortbildungen zur Hochsensibilität öffne ich besonders ruhigen, detailverliebten oder sehr intensiven Kindern einen sicheren Raum, in dem ihre feine Wahrnehmung als Stärke gefeiert wird. Ein Beispiel dafür ist ein Physik‑Experiment mit dem Schwingen einer Saite zum Nachspüren. Wir arbeiten mit Ritualen wie Mini‑Denkgeschichten („Stell dir vor, dein Gehirn ist ein Klanglabor …“), damit Kinder lernen, ihre vielen Eindrücke zu sortieren, Pausen einzufordern, Reizflut zu regulieren (jedes kleine Ritual bündelt Aufmerksamkeit und schirmt Überreizung kurz ab) und Selbstwirksamkeit zu stärken („Ich kenne die Schritte, ich kann mich selbst beruhigen und fokussieren.“) und ihre besondere Sensibilität selbstbewusst in MINT‑Projekte einzubringen.
Ein weiteres Physik‑Experiment arbeitet mit Seifenblasen und Luftströmen. Die Kinder pusten Seifenblasen in einen sanften Luftstrom und beobachten, wie sie schweben, taumeln oder plötzlich abstürzen. Dabei spüren sie mit Augen, Ohren und Körper nach, wie Luftkräfte wirken, und benennen gemeinsam, was sie wahrnehmen.
Ich gestalte Workshops, Fortbildungen und Unterrichtsmaterialien, begleite Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler und baue Allianzen zwischen Schulen, außerschulischen Lernorten, Bildungsmultiplikatoren, Kinderpsychologen und Wirtschaft, damit MINT‑Talente entdeckt und mit Herz und Hingabe über viele Jahre getragen werden
Liebe Jolissa Rusin, danke für das schöne Gespräch.
Gehören Sie zu den Menschen, die Erfahrungen in MINT gemacht haben oder aktuell spannende Fragestellungen bearbeiten? Sind Sie bereit, diese Erfahrungen jungen Menschen zur Verfügung zu stellen, sie mit Ihren Entwicklungen zu begeistern? Werden Sie Teil des MINT-Botschafternetzwerks, helfen Sie jungen Menschen, sich für MINT zu entscheiden, als MINT-Botschafter*in.
Als Botschafter oder Botschafterin werben Sie durch ihre Aktivitäten authentisch für die MINT-Themen und engagieren sich für MINT-Bildung. Unternehmen können selbst Botschafter*innen bereitstellen oder sich im Rahmen von Workshops, Praktika, „Tag der offenen Tür“, Angebote zu Diskussionsabenden in Schulen u. v. m. engagieren. Mehr zu unserem MINT-Botschafternetzwerk finden Sie hier

